„Ich fahr nie wieder beim Weserdrachencup!“

So oder so ähnlich lauteten viele Kommentare im Teamzelt direkt nach dem Finale. Was war passiert? Wir sind 2. geworden, nun gut , das ist schon häufiger vorgekommen, diesmal jedoch war es etwas anders zustande gekommen als sonst, aber der Reihe nach.

Der Weserdrachencup 2008, der 10. mittlerweile, begann für uns diesmal schon am Freitag abend mit der Langstrecke. Etwas Sorge bereitete dabei der sehr niedrige Wasserstand der Weser, der die Balance zwischen „verstecken vor der Strömung“ am Ufer und genug Wasser unterm Boot vor allem für eine 40-Zentner-Galeere wie uns fast unmöglich machte. Gleich als erstes Boot gingen wir auf die Strecke vom Piohafen zur Weserbrücke und wieder zurück bis zur KSG.

Der Start lief gut, der Streckenschlag pendelte sich beim Maximum von knapp über 60 ein. Nach eher durchwachsener Wende begann der Kampf die Weser wieder hoch. Das Boot lief gut und nach fulminantem Endspurt zeigten die Uhren für uns eine Zeit von 8.08 min. Nicht ganz so schnell wie im letzten Jahr, aber es reichte für einen deutlichen Sieg vor den KSG Allsports (8.28 min.), mit ihrem leichten Boot sicher Profiteure der flachen Weser, und einem tollen 3. Platz der Scheune Bierpohl ( 8.45 min.) , für die wir uns besonders freuten, weil einige aus unserem Team auch dort zur Bootscrew gehören.

Samstag morgen begannen dann die Vorläufe für die Kurzstrecke. Aufgrund der vier unterschiedlich schnellen Bahnen fährt jedes Team einmal auf jeder Bahn, die Zeiten werden addiert und aus dieser Rangfolge die Platzierungsrennen gebildet, ähnlich wie in Herford, wo man dann allerdings auf ein Finale verzichtet, vielleicht nicht die schlechteste Idee. Ein echtes Ärgernis war die Vorgabe, das die Paddel beim Start erst bei „Go“ ins Wasser durften, was unseren Start, das Paradestück, um einiges wirkungsloser machte (wer schon mal mit der Strömung auf die Art und Weise einen Start versucht hat weiß wovon ich rede) .Um es kurz zu machen: nach den vier Läufen lagen wir 10 Sekunden vor dem Nächstplatzierten, dem OWL-verstärkten WSA Minden , die KSG Allsports und der Schwenker Dragon Hunter, die das Finale vervollständigten, waren noch ein paar Sekunden weiter weg .

Was sollte schief gehen? Dominanter war wohl selten ein Boot zuvor beim WDC gewesen. Die Devise für den Endlauf lautete also, reinsetzen, am Start wegfahren und die Fuhre ins Ziel bringen.

RENNBERICHT: Attention! Startschuss! Irgendwie klappte der Start auch mit dem lästigen „Paddel raus“ schon mal besser, aber nach ein paar Schlägen finden die Paddel richtig Halt und wir setzen uns ab, nach 30 Schlägen liegen wir ca. eine Bootslänge vor der KSG, das Ostwestfalen-WSA (das Team heißt eigentlich „Se riel blue Dräggens" , viel zu lang ;-) ) hält mit nur einer halben Länge Rückstand etwas besser mit als gedacht, die Schwenkers haben mit Bahn 1 unter Land eh die A-karte gezogen. Es scheint erstmal alles ganz gut zu laufen, aber die halbe Länge zum WSA wird wohl nicht dafür ausreichen, das sie unsere Welle nicht bekommen, um sich wieder ranzuziehen.

Genau das passiert auch, und das WSA holt auf. Zu allem Überfluss hat die KSG auf der linken Seite, die eigentlich schon völlig abgeschlagen war, irgendwie genau das gleiche zustande gebracht, auch sie reiten auf unserer Welle und unterstützt von Bahn 4 mit der höchsten Fliessgeschwindigkeit, an uns heran. Mist! Für diesen Fall ( Minden ist für solch obskure Rennverläufe bekannt) hatten wir im Training einen Plan B entwickelt, aber mangels Trainingsbeteiligung nicht bis zur Praxisreife üben können.

Alle Boote liegen jetzt direkt nebeneinander und fahren auch so über die Ziellinie, das Ergebnis wird aus dem Würfelbecher kommen. Fassungslos fahren wir wieder Richtung Steg. Die Zuschauer toben vor Begeisterung, wir vor Wut, einen sicheren Sieg eventuell so aus den Händen geben zu müssen. An Diskussionen über dieses „absolute geile Rennen“ mit den anderen Finalteilnehmern können wir uns auch nicht so recht beteiligen, man mag es uns verzeihen.Irgendwie ist auch schon klar das wir wohl nicht gewonnen haben, Frust pur! Wir sind 2. geworden, „Ich fahr nie wieder beim Weserdrachencup!“ Warten wir ein Jahr ab.

Glückwunsch an die KSG Allsports, die dieses verrückte Rennen in 59,07 sek. vor uns ( 59,10) und dem WSA ( 59,11) gewonnen haben.